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Schmerzhafter Hoden

Schmerzen im Hodenbereich können durch folgende Ursachen ausgelöst sein: An erster Stelle steht der eingeklemmte Leistenbruch gefolgt von Drehung eines sogenannten Hodenanhängsels (Hydatidentorsion), gefolgt von der Nebenhodenentzündung (Epidydimitis), der Hodenentzündung (Orchitis) und schließlich der Hodenstieldrehung. Die wichtigste Untersuchung eines schmerzhaften Hodens ist die Ultraschalluntersuchung mit Durchblutungsmessung des Hodengewebes (Doppler - Untersuchung).

Schmerzhafter Hoden - 01
Darstellung der verschiedene Strukturen um den Hoden.

Das Thema „Leistenbruch“: nähre Infos ...

Die Hydatidentorsion oder „Drehung eines Hodenanhängsels“: Das in der Zeichnung gelb markierte Hodenanhängsel – als „Überbleibsel“ der Entwicklung des Genitales (Morgagni – Hydatide aus dem Müller´schen Gang – Appendix testis; bzw. Appendix epididymidis aus dem Wolff´schen Gang) – dreht sich im Stielbereich. Die Folge ist eine Durchblutungsbeeinträchtigung, die zum Absterben des Anhängsels führen kann. Der Altersgipfel liegt um das 10.Lebensjahr. Der Hodenbereich wird sukzessive schmerzhaft und bei einem Drittel der Patienten findet sich das sogenannte „bue dot sign“, jene Stelle wo das gedrehte dunkel verfärbte Hodenanhängsel durch die Hodenhaut durchschimmert. Belässt man die stielgedrehte Hydatide so wandelt sie sich narbig um und kann über Wochen bis Monate als derbes Knötchen getastet werden.

Hodenanhängsel im Ultraschall bei Hydrocele
Hodenanhängsel im Ultraschall bei Hydrocele


Die Entzündung des Nebenhodens (Epididymitis) ist seltener als im Erwachsenenalter. Sie ist oftmals durch Viren verursacht und wird auch im Zusammenhang mit postinfektiösen Immunreaktionen im Anschluss an generalisierte Infekte diskutiert. Natürlich haben auch bakterielle Infektionen (Superinfektionen; Keime: E.coli, Proteus, Klebsiellen, Pseudomonas,..) ihren Stellenwert. Bei immer wieder auftretenden Infektionen sollte eine erweiterte kinderurologische Abklärung erfolgen. Nebenhodenentzündungen finden wir gehäuft bei Säuglingen und Kleinkindern sowie später in der Pubertät. Der Hoden ist vergrößert, gerötet und die Patienten entwickeln Fieber. Anheben des Hodens bringt eine gewisse Erleichterung.

Schmerzhafter Hoden - 02

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Bei der Ultraschalluntersuchung hat der Nebenhoden (NH) an Größe deutlich zugenommen – entspricht hier also nahezu dem Durchmesser des eigentlichen Hodens (H) - und ist stark durchblutet. Der Harn sollte bezüglich einer Keimbesiedelung überprüft werden. Im Falle einer bakteriellen Infektion zeigen sich erhöhte Leukozytenwerte im Labor. Neben einer antibiotischen Therapie wird der Hoden hochgelagert und leicht gekühlt. Nur in seltenen Fällen, wo es zu einer Abszessbildung kommt ist eine chirurgische Therapie notwendig.


Die Stieldrehung des Hodens ist ein kinder- und jugendchirurgischer Notfall. Hier kommt es – meist durch eine Einwärtsdrehung des Samenstranges zu einer Durchblutungsstörung, die zuerst den venösen Blutabstrom und im weiteren Stadium den arteriellen Blutzufluss betrifft. Als Ursache diskutiert man eine ungenügende Befestigung des Hodens im Hodensack; die Hoden liegen in ihrer Längsachse meist quer.

Typische Hodentorsion


Wenn das Hodengewebe mehr als 4h nicht genügend durchblutet ist beginnt das Absterben der Keimzellen, nach 10h zum Absterben der hormonproduzierenden „Leydig – Zellen“. Bis zu etwa 6h kann der Hoden bei richtiger Therapie „gerettet“ werden. Nach 10h erholt sich das Hodengewebe, auch wenn es wieder durchblutet ist, nur in den seltensten Fällen. Somit ist der wesentlichste Erfolgsfaktor für eine gute Behandlung die Zeit! Wichtig ist die rasche Ultraschalluntersuchung mit Messung der Durchblutung. Es wird eine seitenvergleichende Untersuchung durchgeführt.

Gut durchbluteter Hoden mit deutlichen „Durchblutungsfarbsignalen“
Gut durchbluteter Hoden mit deutlichen „Durchblutungsfarbsignalen“

Hodentorsion (grauer Gewebebereich entspricht dem nicht durchbluteten Hoden
Hodentorsion (grauer Gewebebereich entspricht dem nicht
durchbluteten Hoden, ohne Farbsignale).


Die Patienten leiden unter starken Schmerzen, die auch in den Bauchraum ausstrahlen können. Der betroffene Hoden liegt meist etwas höher. Bei Verdacht auf eine Hodentorsion muss die sofortige OP angestrebt, der Hoden freigelegt und zurückgedreht werden. Auch wenn das Hodengewebe über eine längere Zeit nicht durchblutet war ist man mit der Entfernung des Hodens in dieser Akutsituation eher zurückhaltend. Wie gesagt sind die hormonproduzierenden Zellen wiederstandsfähiger und man kann manchmal mit einer „Teilfunktion“ des Hodens rechnen (Resthormonproduktion). Wichtig ist, dass der gegenüberliegende, nicht gedrehte und gesunde Hoden ebenfalls mit Nähten fixiert wird (prophylaktische Orchidopexie).

Die Orchitis, also die Entzündung des eigentlichen Hodens findet sich nur in 2% der Patienten mit akutem Hodenschmerz. Ursächlich kommen diese Infektionen bei Mumps und seltener bei Feuchtblattern vor. Als bakterielle Erreger finden sich Staphylo- und Streptokokken. Im Ultraschall zeigt sich die entzündliche Schwellung sowie die deutlich verstärkte Durchblutung. Man sollte den Hoden hoch lagern, kühl halten, eine antibiotische Therapie (Superinfektion) und Bettruhe verordnen. Leider kommt es durch starke entzündliche Veränderungen (Schwellung) bei einem Drittel der Patienten zu Gewebeschädigungen im Hoden. Die hormonelle Funktion bleibt jedoch in der Regel erhalten.

schmerzhafter hoden - differentialdiagnostik

 

 

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