Unfallverhütung zu Hause - Sicher groß werden im Haushalt

Dr. Rupert KISSER
Leiter des Institutes "Sicher leben"
Kuratorium für Schutz und Sicherheit

Schätzungsweise 50.000 Kinder im Vorschulalter erleiden jährlich in Österreich zu Hause eine Verletzung, die eine medizinische Behandlung erfordert. Die hohe Zahl ist überraschend, hält man doch Kinder gerade in den eigenen vier Wänden für besonders geborgen. Die häufigsten Unfallarten sind Stürze auf der selben Ebene oder aus der Höhe, Schnittverletzungen, Quetschungen oder das Anprallen an Hindernisse.

Die meisten Verletzungen sind nicht schwerwiegend und heilen ohne langwierige Behandlungen und Probleme. Die meisten häuslichen Unfälle ergeben sich aus typisch kindlichen Betätigungen wie Bewegungsspielen, der Fortbewegung, dem Erkunden der Umgebung oder dem Umgang mit Geräten. Bei vielen dieser Blessuren fällt es schwer, vermeidbare Ursachen zu erkennen und Empfehlungen für eine aussichtsreiche Unfallverhütung zu geben. Manche Unfälle gehören einfach zum Kindsein. Übergroße Vorsicht würde dabei sogar die kindliche Entwicklung gefährden. Selbstsicherheit, Bewegungssicherheit sowie viele Fertigkeiten und Erfahrungen können nicht ohne die Bewältigung von gewissen Risiken erworben werden.

Es gibt allerdings eine Reihe von häuslichen Gefahren, die einerseits nichts zur Lebenstüchtigkeit beitragen, und andererseits inakzeptabel groß sind, weil sie unter Umständen sogar das Risiko einer bleibenden Behinderung oder des Todes beinhalten. Auf solche großen und überflüssigen Risiken hat sich die Unfallverhütung zu konzentrieren.

Die Sterbestatistik gibt keine ausreichende Auskunft, wo Kinder im Haushalt sterben. Aber die Beobachtung schwerster Kinderunfälle in Krankenhäusern oder in den Medien zeigt ausreichend klar, um welche Gefahren es geht: Stürze aus der Höhe (vom Wickeltisch, aus dem Fenster, mit dem Laufwagerl oder über Treppen), Verbrühungen (durch Heißwasser, durch Kochgut oder heißes Fett), Wohnungsbrände, gelegentlich auch Vergiftungen oder Verätzungen der Speiseröhre und Schnittverletzungen durch splitterndes Fensterglas.

Gegen diese Gefahren gibt es weitgehend wirksame, einfache und relativ preiswerte technische Vorkehrungen. Interventionen sollen also dort erfolgen, wo hohes Risiko besteht, wo die kindliche Erfahrung nicht behindert wird und wo wirksame und preiswerte Sicherheitsvorkehrungen verfügbar sind. Unter diesen Bedingungen ist nicht einzusehen, warum Vorkehrungen nicht getroffen werden sollten.

Vorkehrungen, mit denen die meisten schwersten Kinderunfälle zu Hause vermieden werden können, sind das Thema der Aktion "Sicher Groß Werden" des Institutes "Sicher Leben":

  • Geeigneter Wickeltisch
  • Fenstersperren
  • Verzicht auf Laufwagerl
  • Geeigneter Hochstuhl
  • Treppen-Schutzgitter
  • Herd-Schutzgitter
  • Wasser - Temperaturbegrenzer im Bad
  • Verzicht auf Tischtücher
  • Rauchmelder
  • Versperrbarer Medikamentenschrank
  • Kein Fensterglas in Glastüren
  • Geeigneter Allesschneider

Informationsmittel sind Broschüren (in deutscher, serbischer, kroatischer und türkischer Sprache), ein Dispenser in Form eines Modellhäuschens (das wie ein Poster an die Wand gehängt werden kann), eine Riesenküche für Veranstaltungen (die einen Preis für innovative Messestandgestaltung gewonnen hat), ein Schulungsvideo (das den Staatspreis für Wirtschaftsfilm und den Gesundheitspreis der Stadt Wien gewonnen hat), laufend Schulungen z.B. für Hebammen, Kinder-Krankenschwestern, Kindergärtnerinnen, Tagesmütter und laufend Medienarbeit.

Partner dieser Aktion, die seit 1997 durchgeführt wird, sind Kinderärzte, Geburtshilfestationen und Elternberatungsstellen. Finanziert wurde bzw. wird die Aktion vom seinerzeitigen Familienministerium, vom Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungen, von der Europäischen Kommission (DG SanCo), dem Verein für Konsumenteninformation, dem Jubiläumsfonds der österreichischen Nationalbank und dem Institut "Sicher Leben" (und damit von der privaten österreichischen Versicherungswirtschaft). Mit deren Hilfe können Broschüren, Dispenser und Schulungen den Partnern entgeltfrei bzw. gegen eine geringe Schutzgebühr angeboten werden.

Eine Evaluationsstudie im Jahre 1998 zeigte, dass mit dieser Aktion innerhalb nur eines Jahres der Wissenstand der Eltern über häusliche Unfallgefahren beträchtlich gesteigert werden konnte. Regelmäßige Umfragen des Institutes "Sicher Leben" zeigen, dass heute ungleich mehr Eltern die Maßnahmen kennen, sie befürworten und umsetzen. Nicht nur dadurch, aber auch dadurch ist die Zahl tödlicher Kleinkinderunfälle seither beträchtlich gesunken.

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