Inlineskating - Unfälle im Kindesalter: Verletzungsmuster und Prävention

Prim. Univ. Doz. Dr. Günther FASCHING
Vorstand der Kinderchirurgischen Abteilung des LKH Klagenfurt

Inline-skating oder Roller-blading ist eine Form der Freizeitgestaltung, die sich zunehmender Beliebtheit erfreut und auch von Kindern gerne betrieben wird. Inline-skater haben im Gegensatz zu Rollschuhen die Räder in einer Linie, in line. Leider kommt es bei dieser Sportart immer wieder zu Verletzungen, die eine Spitalsbehandlung erfordern.

Ort der Verletzung: Gehsteig 26, Strasse 9, Sportplatz 7, zu hause 6, Parkplatz 5, Kindergarten 1.

Unfallursachen: Stolpern 43, Kollision 8 (Auto 3, Person 4, Radfahrer 1), Bremsen 5, Kunststück 5.

Verletzungen: 2/3 obere Extremität ( Brüche von Speiche +- Elle), Kopfverletzungen 17 % (davon die Hälfte Gehirnerschütterung). Insgesamt in ca. 60% Knochenbrüche. Der hohe Anteil an Brüchen der oberen Extremität resultiert daher, dass Kinder ohne ausreichenden Gleichgewichtsinn oder bei Geschwindigkeits- und Richtungsänderungen meist auf den reflexartig ausgestreckten Arm stürzen.

Behandlung: Die Behandlung erfolgte 40 mal ambulant, in 22 Fällen war ein stationärer Aufenthalt notwendig.

Schutzausrüstung:

Zur Reduktion von Verletzungen nach einem Sturz beim Inline-skaten ist das Tragen einer Schutzausrüstung unerlässlich. Diese besteht aus Helm, Handgelenkschoner, Ellbogen- und Knieschützer. Beim Helm ist es wichtig, dass auch das Hinterhaupt geschützt wird. Ein Fahrradhelm ist nicht optimal geeignet. 2/3 der Kinder trug keine Schutzausrüstung. Kein Kind trug eine komplette Ausrüstung. Ursachen für dieses Verhalten können die zusätzlichen Kosten beim Gerätekauf oder ein fehlendes Gefahrenbewußtsein sein; weiters wird die Schutzbekleidung von den Kindern als unbequem empfunden, passt nicht zum Image oder zur Fremdbewertung durch Zuseher, oder ist einfach nicht cool.

In einer 2. Studie konnten wir die behandelten Kinder im Durchschnitt 18 Monate nach ihrem Unfall zu ihrem Sicherheitsbewußtsein befragen. Von 43 verunfallten Kindern hatten 19 den Sport aufgegeben, von den übrigen 24 trugen 22 regelmäßig Handgelenkschoner und Knieschützer. Da diese Gruppe der Verletzten nicht repräsentativ für das Verhalten der Inline-skater ist, haben wir in einer dritten Studie 126 Kinder zum Thema Schutzausrüstung befragt. Es ist verblüffend, dass nur 20 % der Kinder keine Ausrüstung besitzen; die Tragequote dieser Schutzbekleidung liegt allerdings nur bei ca 40 %, wobei am seltensten ein Helm getragen wird. 

Sekundäre Präventivmaßnahmen (Schutzausrüstung) können Verletzungen nach einem Sturz verhindern oder verringern.

Noch wichtiger sind primäre Präventionsmaßnahmen, die einen Sturz verhindern.

An erster Stelle sind eine gute Ausrüstung und Wartung derselben zu nennen; insbesondere der Anfänger sollte Rollen mit höherem Reibungswiderstand und weicherem Material verwenden. Die Gefahr eines Zusammenstosses ist zwar gegeben, in der Regel ist aber der Skater selbst sein größter Feind.

Ein Einführungskurs mit Erlernen von Kurvenfahren, Bremsen und Stoppen sollte daher obligat sein. Entscheidend für die Unfallverhütung ist auch die Wahl des Ortes, wo gefahren wird. Straßen sind unbedingt zu meiden.

Zusammenfassung

Bei Verletzungen nach Inline-skating Stürzen überwiegen Brüche im Bereich des Unterarms.

Gutes Erlernen der Grundtechnik und Ausüben des Sports an sicheren Plätzen sind Minimalanforderungen. Wir alle sind aufgerufen, das Gefahrenbewußtsein bei Eltern und Kindern zu wecken und auf das konsequente Tragen einer Schutzausrüstung hinzuweisen!

weitere Informationen:

Unfälle im Wasser - Prävention und korrekte Hilfe

Checkliste zur Unfallverhütung beim Sport

KidsDoc.at
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