Die Trichterbrust (Pectus excavatum) - alle Details

Die typische Trichterbrust ist eine Deformität mit einer Einsenkung des unteren Brustbeinanteiles, die sich mit einer Häufigkeit von 1:1000 Kindern/Jugendlichen entwickelt. Das Brustbein kann sich geradlinig – gleichsam einer schiefen Ebene – oder mit einer Knickbildung einsenken. Neben einer mechanischen Instabilität des Brustbeines im Kindesalter sind auch die Rippen durch ein übermäßiges Längenwachstum wesentlich an der Trichterbildung beteiligt. In der Regel ist die 4. -7. Rippe betroffen, wobei fallweise auch die 3. Rippe beteiligt sein kann.

Die Trichterbrust stellt die häufigste Fehlbildung der Thoraxwand dar, welche in der Regel – im Gegensatz zur Kielbrust - schon Kleinkindesalter erkennbar ist. Das männliche Geschlecht überwiegt mit einem Verhältnis von etwa 3:1. Beim jüngeren Patienten ist die symmetrische Trichterbrust häufiger, während bei älteren Patienten häufiger asymmetrische Formenbeobachtet werden. Der tiefste Punkt findet sich dann rechts neben dem bereits verkippten Brustbein. Die Biegung liegt dann nicht mehr nur im vorderen knorpeligen, sondern auch im knöchernen Teil der Rippe. Auf der linken Thoraxseite bietet das Herz einen relativen Widerstand und verhindert dort die Verstärkung der Trichterbildung.

Asymmetrische Trichterbrust
Asymmetrische Trichterbrust mit der tiefsten Einsenkung paramedian rechts und ein 3D – CT einer asymmetrischen Trichterbrust mit verkipptem, linksseitig aufgedrehtem, Brustbein und der Biegung im knöchernen Anteil der Rippen.


So entsteht die Trichterbrust: Animation der Entwicklung einer Trichterbrust (Anatomische Rohdaten aus Essential Anatomy 5). Das Brustbein bildet mit den angrenzenden knorpeligen Rippenanteilen - vor allem in Phasen des verstärkten Körperwachstums (z.B. Wachstumsschub in der Pubertät) - die typische Einsenkung. Der tiefste Punkt liegt in den meisten Fällen in der rechten Körperhälfte. Der untere Rippenbogen kann deutlich vorgewölbt sein. Die Animation zeigt, dass in fortgeschrittenem Lebensalter auch die knöchernen Rippenanteile gekrümmt werden und in die Trichterbildung einbezogen sind.

In einem Drittel der Fälle findet sich ein familiäres Auftreten. Die Kinder bzw. Jugendlichen haben eine verminderte Atembeweglichkeit des Brustkorbes und bei ausgeprägter Trichterbrust eine reduzierte körperliche Belastungskapazität. Begleitpathologien treten bei etwa 20 % der Kinder auf, wobei die Skoliose (15%; Verkrümmung der Wirbelsäule) am häufigsten vorkommt. Natürlich hat auch der kosmetische Aspekt Gewicht. In zahlreichen Fällen zeigen sich leichte Herzklappendysfunktionen. Diese ergeben sich daraus, dass das Herz durch die Trichterbildung auf die linke Körperseite verschoben wird. In bestimmten Fällen ein Mitralklappenprolaps, d.h. dass sich die Mitralklappe beim Zusammenziehen der linken Herzkammer vermehrt in den linken Herzvorhof vorwölbt.

Das Herz wird durch die Trichterbildung nach links verschoben. Bei stärkerer Ausprägung wird das Herz in seinem rechten Anteil, dort wo das Blut in das Herz hineinfließt, zusammengedrückt. D.h., dass der rechte Ventrikel (rechte Hauptkammer, die das Blut in die Lunge befördert) ist durch die Einsenkung des Sternums in seiner Funktion eingeschränkt. Bei hochgradigen Formen ergibt sich eine verminderte kardiale Füllung, wodurch diese Patienten ihre Herzauswurfleistung vergleichsweise in größerem Ausmaß durch Steigerung der Herzfrequenz verbessern. Neue Untersuchungen zeigen, dass durch die Trichterbrustkorrektur eine begrenzte (herabgesetzte) Herzleistung (Cardiac Output) verbessert werden kann.

Trichterbrust und das Herz: Animation (Anatomische Rohdaten aus Essential Anatomy 5), die zeigt wie das Herz durch die Trichterbrust zusammengedrückt und nach links verschoben wird.

Der enge Kontakt zwischen Herz und Brustbein kann auch für Herzrhythmusstörungen (zusätzliche Herzschläge, „Herzstolpern“, unregelmäßiger Herzschlag) verantwortlich sein. Diese Veränderungen nennt man auch Palpitationen (deutlich spürbares und unregelmäßiges Herzklopfen).
Extrasystolen bzw. Arrhythmien ( Schlagunregelmäßigkeiten des Herzens) sind gehäuft, wenn der Oberkörper nach vorne beugt wird und das Herz in engerem mechanischen Kontakt zum Brustbein steht. Tachykardien (Herzrasen) sind bei körperlicher Belastung gehäuft. Die Patienten haben in der Regel in Ruhe und bei leichter bis normaler Belastung keine Beschwerden, erst bei größeren sportlichen Anstrengungen treten entsprechende Symptome auf. Bei sportlicher Aktivität, wo die oberen Extremitäten, der obere Rumpf und Schultergürtel vermehrt zum Einsatz kommen, beschreiben die Patienten ein Druckgefühl, bzw. „ziehende“ Schmerzen im Trichterbereich. In einigen Fällen kann eine Kurzatmigkeit im Vordergrund stehen und in spirometrischen Untersuchungen (eingeschränkte Lungenfunktion / Lungenkeistung) lassen sich restriktive Veränderungen bei mäßig reduzierter Vitalkapazität nachweisen. Oftmals sind es aber nicht die physischen, sondern die, sich zunehmend bei Kindern im Schulalter entwickelnden, psychischen Probleme, in den Vordergrund treten. Spontane Rückbildungen sind eine seltene Ausnahme.

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Trichterbrust - alle Details:

Einleitung

Untersuchungen

Die therapeutischen Maßnahmen

Indikationen zur operativen Korrektur

Die Operationstechnik der Minimal Invasiven Korrektur

Postoperative Behandlung - Rückenschmerzen, Schmerztherapie

Frühe unmittelbare postoperative Resultate

Die Implantat-Entfernung nach 2-3 Jahren

Spätresultate mehr als 2 Jahre nach der Korrektur

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